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Heiligenblut & das Steinwild: Ein klippenreicher Weg zum Happy End


Wie gelingt die Wiederansiedlung einer ausgerotteten Tierart? Diese schwierige Frage beschäftigte schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts visionäre Köpfe, die dem Alpensteinbock zum Comeback verhelfen wollten.


Foto NPHT Alexander Müller

Dass sich das Unterfangen schon mehrfach als risikoreich erwiesen hatte, hielt KR Hans Pichler – seines Zeichens Hotelier und Pächter der Gemeindejagd Heiligenblut – nicht davon ab, einen weiteren Anlauf wagen zu wollen: Unterstützt vom Kärntner Landesjägermeister Dr. Werner Knaus, nahm seine Idee Ende der 1950er Jahre zunehmend Gestalt an.

Grüezi, Steinbock!

Die Frage, woher die Tiere für die Wiederansiedelung kommen sollten, beantwortete ein vielversprechender Kontakt in den Schweizer Kanton Graubünden. Der westliche Nachbar unterstützte dabei nicht nur mit der Schenkung eines Bocks und einer Geiß sowie der Bereitstellung von weiteren vier Stück Steinwild (finanziert durch Bund, Land und Kärntner Jägerschaft), sondern stellte auch sein Know How bei der Wahl des geeigneten Territoriums zur Verfügung.

Die Tiere über die Grenze zu bringen, erwies sich allerdings als komplexe Angelegenheit, die neben der Einhaltung zahlreicher veterinärmedizinischer Vorschriften auch persönlichen Einsatz forderte: So transportierte der Schweizer Steinwildhüter Andreas Rauch die ersten Tiere selbst per PKW nach Heiligenblut.

Zuwachs für Heiligenblut

Dass die ersten Steinböcke aus Pontresina am 2. Juni 1960 in die Freiheit entlassen werden sollten, versetzte Heiligenblut in Volksfeststimmung. Die Freilassung der Tiere sorgte jedoch für spannungsreiche Momente: So bewiesen die Böcke ihre sprichwörtliche Sturheit, indem sie – trotz ausgeklügelter Aufstellung der Anwesenden – in entgegengesetzter Richtung gen Freiheit zogen. Und auch die wenige Tage bzw. Wochen später durchgeführte Aussetzung weiterer Tiere barg Überraschungen.

Gut Ding braucht Weile

Ob das Projekt zum Erfolg führen würde, blieb aufgrund von Abwanderung bzw. (vorübergehendem) „Verschwinden“ der Tiere mehr als ungewiss. Als im Sommer 1962 das zweite Kitz – und damit einer der heutigen Stammväter der Kolonie – das Licht der Welt erblickte, wagte noch niemand aufzuatmen. Doch die Aussetzung weiteren Steinwilds und „Good News“ in Sachen Nachwuchs ließen die Hoffnung (zurecht) wachsen.

Zwischen 1965 und 1967 waren die Tiere bereits so stark im Gebiet verteilt, dass sie eine Fläche von 20.000 Hektar nutzen. Auch das Gebiet östlich der Pasterze, das heute als Haupteinstandsgebiet gilt, wurde 1969 erstmals von drei Böcken besetzt.

Bergauf, bergab, bergauf

Dass 1975 schon mehr als 110 Tiere gezählt werden konnten, war ein Triumph, der nicht lange anhielt, da ein Ausbruch der Räudeerkrankung für eine Reduktion um über 75 Stück sorgte. Zwar erholte sich die Population bis 1985, doch verursachte ein zweiter Krankheitsausbruch einen erneuten Rückgang um 32 Tiere.

Seit Anfang der 1990er Jahren können wir angesichts des steten Wachstums der Bestände erneut aufatmen: Im Jahr 2004 verzeichneten wir ungefähr 200 Tiere – ein Erfolg, den wir natürlich auch Wiederansiedelungsinitiativen im Osttiroler und Salzburger Gebiet verdanken.

Warum wir aktuell besonders gespannt auf die Entwicklung des Bestands blicken, verraten wir in unserem nächsten Beitrag.

Quellen:

Deutsches Jagd Lexikon

Gunter Greßmann/Steinwild Hegegemeinschaft Großglockner: Alpensteinwild um den Großglockner

 


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